
Oliver Möllner hat klare Vorstellungen, wer idealerweise an Österreichs Schulen unterrichten sollte: Menschen, die sich zuallererst für den Lehrberuf interessieren, und nicht in erster Linie für das Fach, das sie studieren. Wenn man sich an Schulen umhöre, erhalte man folgendes Bild, so der Bundesobmann der Schülerorganisation Schülerunion im Gespräch mit der „Presse“: „Von 120Lehrern an einer Schule sind fünf ungeeignet. Und bei weiteren 20 muss man sich fragen, ob sie eine pädagogische Ausbildung haben.“
Assessment-Center für Lehrer?
Möllner fordert daher vor der Zulassung zu einem universitären Lehramtsstudium ein Aufnahmeverfahren. „In der Wirtschaft sind Assessment-Center gang und gäbe. Hier geht es nicht darum, den Zugang zu beschränken, sondern zu schauen, wer überhaupt die Fähigkeit hat, Lehrer zu werden, und wer nicht. Wir brauchen motivierte, gute Lehrer.“ Das gelte im Übrigen nicht nur für die AHS, sondern auch für die berufsbildenden Schulen. „Natürlich ist es gut und wichtig an den HTL und den HAK auch Leute zu haben, die aus der Wirtschaft kommen. Aber sie müssen eine pädagogische Ausbildung haben. Es reicht einfach nicht, nur einzelne Kurse zu machen.“
Sagen, wo der Schuh drückt: Das sollen Schülerinnen und Schüler – geht es nach dem Willen der Schülerunion – künftig wesentlich öfter können als bisher. „Bisher war es so: Wir entwickeln Ideen, und dann versickern sie. Und irgendwann, nach zehn, 15Jahren tauchen sie wieder auf“, sagt Möllner.
Unter dem Titel „Demokratie macht Schule – Meine Meinung ist nicht wuascht!“ hat die Schülerunion nun drei Forderungen zusammengefasst: erstens die Mitbestimmung des Schulgemeinschaftsausschusses (SGA) bei der Direktorenbestellung, zweitens die Einführung von Landesschulgemeinschaftsausschüssen, einem Bundesschulpartnerrat und einem österreichischen Schülerparlament sowie drittens Einsparungen in der Schulverwaltung, wodurch mehr Geld den Schülern zugutekommen soll.
3500 Unterschriften
Knapp 3500 Menschen haben diese Bürgerinitiative mit ihrer Unterschrift unterstützt. Ende November übergaben die Schülervertreter das Konvolut an Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S). Voraussichtlich bereits diese Woche wird die Initiative im Petitionsausschuss des Nationalrats behandelt. „Wir sind zuversichtlich, dass es dann im neuen Jahr zu einem Hearing im Ausschuss kommt“, sagt Möllner.
Zu hören werden die Abgeordneten dann bekommen, wie sich die Schüler die Stärkung ihrer Mitsprachemöglichkeiten konkret vorstellen. „Grundsätzlich sollte in jeder Arbeitsgruppe, in der es um Bildung geht, ein gesetzlicher Vertreter der Bundesschülervertretung dabei sein“, betont Möllner. Der neu einzurichtende Bundesschulpartnerrat sollte sich – wie Schulgemeinschaftsausschüsse – aus Eltern, Lehrern und Schülern zusammensetzen.
Zentralmatura bis 2010?
Den Vorsitz hätte der Bildungsminister, die Bildungsministerin inne. Dort müssten auch verpflichtend jene Anträge behandelt werden, die von einem zweimal jährlich tagenden bundesweiten Schülerparlament verabschiedet werden. Und womit würde sich dieses Schülerparlament dann zu befassen haben? „Derzeit ein wichtiges Thema ist beispielsweise die Zentralmatura“, sagt Möllner. Im September 2010 soll sie eingeführt werden, dann starten die ersten Oberstufenklassen, die nach dem neuen Modus maturieren sollen. Nur: Weder die Lehrpläne noch die Schulbücher wurden bis dato entsprechend adaptiert. „Wie soll das funktionieren?“
Politische Bildung gefragt
Handlungsbedarf gebe es auch in Sachen politischer Bildung. „Wir brauchen ein eigenständiges Unterrichtsfach politische Bildung, und zwar ab der siebenten Schulstufe“, sagt der Obmann der Schülerunion. „Sonst macht Wählen mit 16 keinen Sinn.“ In diesem Gegenstand soll einerseits Basisfaktenwissen über die Einrichtungen des Staates und das Funktionieren der Demokratie vermittelt werden.
Mit NGOs arbeiten
„Schüler sollen sich hier aber auch selbst etwas erarbeiten, in Projektgruppen etwa, die auch ruhig klassenübergreifend sein können.“ So könne man einen Landtagsabgeordneten einen Tag lang begleiten, die Berichterstattung zu einem bestimmten Thema über einen längeren Zeitraum verfolgen oder aber auch mit NGOs, also regierungsunabhängigen Organisationen, in Kontakt treten.
Und schließlich das Thema Lehrerfeedback, ein bereits seit Langem von der Schülerunion propagiertes Instrument, mit dem der Unterricht an Österreichs Schulen effizienter und vor allem schülerfreundlicher gestaltet werden soll.
„Wir wünschen uns ein verpflichtendes Lehrerfeedback“, so Möllner. Derzeit gebe es Initiativen an einzelnen Schulen. Dabei zeige sich allerdings: Genau jene Pädagogen, deren Unterricht nicht gut sei, entziehen sich dem Feedback. Sie machen dabei einfach nicht mit. Engagierte Pädagogen dagegen hätten kein Problem damit. Womit Möllner wieder bei seinem größten Wunsch angelangt ist: gut ausgebildeten Lehrern, die ihren Beruf als Berufung sehen.
Quelle: Alexia Weiss, Die Presse - Onlineausgabe: http://diepresse.com/home/bildung/schule/528060/index.do?_vl_backlink=/home/bildung/schule/index.do (13.12.2009)
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